China, Xi’an -> Lhasa (mit dem Zug nach Tibet)

30.10.10

Morgens früh aufgestanden, um meine Sachen zu packen, erfuhr ich schließlich mehr von dem Fremden. In gleicher Prozedur wie gestern hüpfte er voll angezogen aus dem Bett, sprach „Good Morning“ und wollte gerade aus der Tür verschwinden. Neugierig stoppte ich ihn, um mich ein wenig mit ihm zu unterhalten. Nun, er kommt aus Großbritannien, ist Englischlehrer an einer Schule, ist mal wieder zwei Stunden zu spät für seinen Unterricht und hat einen fürchterlichen Kater – wie die letzten Tage. Er verdient sich an der Schule ein wenig Geld, um es abends in Kneipen und Diskotheken zu investieren. Seine komplettes Hab und Gut hat er in einem normalen Tagesrucksack und nutzt das Hostel nur nachts für ein paar Stunden Schlaf. Na dann hoffe ich mal, dass er mit seinen pädagogischen Fähigkeiten, den Schulkindern ein gutes Vorbild zu sein, gut schauspielern kann…

Meine Sachen gepackt ging es weiter mit dem Zug T27 (Wagon 12, Platz 17, unten) um 8:42 Uhr Richtung Lhasa/Tibet.

Mit Lars, welcher auch auf den Weg nach Lhasa war, bestaunte ich aus dem Taxi die sorgfältige Verkabelung an Xi’ans Straßen bevor wir schließlich den Bahnhof erreichten. Nach einer gefühlten ewigen Suche hindurch zwischen Menschenmassen und Baustellen fanden wir schließlich die richtige Wartehalle für unseren Zug. Mit leichter Verspätung des Zugs bezogen wir unsere Abteile – Lars in einem der vordersten Wagons, ich in einem der letzten.

Die Qualität der Abteile war wie gewohnt sauber und OK…

…(Spucken ist hier nicht erlaubt)…

…mit dem leichten Zusatz, dass sich auf den Fluren und über den Betten Sauerstoffdüsen befanden. Warum Sauerstoffdüsen? Die Lhasa-Bahn wurde erst 2006 fertig gestellt und ist die höchste Eisenbahnstrecke weltweit. Auf dem tibetischen Hochplateau fährt der Zug im Schnitt auf einer Höhe zwischen 4500 und 5000 Metern. Der Normalsterbliche hat ohne ein paar Tage Akklimatisierung Probleme mit dem geringen Sauerstoffgehalt in diesen Höhen – namentlich bekannt als Höhenkrankheit. Die künstliche Sauerstoffzufuhr kompensiert dies und schafft eine Atemluftumgebung, wie sie auf ca. 2000 – 3000 Metern vorhanden ist.

In freundlicher chinesischer Gesellschaft (auf dem Bild bin ich mit dem Soldaten Zhao zu sehen) genoss ich die Landschaft und englisch-chinesische Gespräche mit meinen neugierigen Mitreisenden.

31.10.10

Morgens die Augen geöffnet bot sich mir mit Blick aus dem Fenster…

…eine eindrucksvolle Landschaft…

…in einem prächtigen Sonnenaufgang. Neugierig wie ich bin, aktivierte ich meinen PDA und schaute auf die GPS-Daten:

Knapp 5000 Meter Höhe – ich befand mich nun auf dem tibetischen Hochplateau – WOW!

Zwar kompensiert eine artifizielle Sauerstoffzufuhr die Höhenkrankheit, die abnehmenden Druckverhältnisse bleiben jedoch bestehen.

So dehnte sich die Verpackung meines mitgebrachten Frühstücks bemerkenswert aus.

*PLOPP!* Als ich den Deckel meines Deoroller abschraubte, platzte auch dieser vor Freude und der Deoball flog in Begleitung mit dem Deoinhalt im hohen Bogen durch das Abteil. Nicht nötig aber positiv: Es lag nun ein frischer Duft im Abteil. 😉

Ein paar Abteile weiter befand sich eine tibetische Mönchsfamilie, welche wirklich überaus neugierig auf den hellhäutigen Fremden waren.

Öfters wechselten die interessierten Blicke, was ich denn gerade mache, …

…mit „unauffälligen“ Fotografierversuchen.

Freundlich wie ich bin begab ich mich zu der wirklich sympathischen Familie zu einer kleinen Fotosession und wir unterhielten uns mit „Händen und Füßen“.

So schlängelte sich der Zug weiter durch Tibet, …

…vorbei an kleinen Siedlungen…

…bis schließlich die Hauptstadt Tibets, Lhasa, in Sicht kam.

Der Zug stoppte am Lhasa-Hauptbahnhof um 17:30 Uhr. Im Bahnhof war alles bemerkenswert sauber und geordnet… Außerhalb des Bahnhofs wurden einige der ankommenden Touristen, einschließlich mir, nach ihren Permits gefragt. Nach einem flüchtigen Blick und Kopfnickens des Wachpersonals suchte ich meine obligatorische Reiseleitung durch Tibet. Dorjee mein Tourguide und meine Mitreisenden Ingrid aus Surinam und Michael aus den Niederlanden machten einen wirklich sympathischen Eindruck.

Noch schnell ein Foto von meiner Ankunft in Tibet gemacht und los ging es zu unserer Unterkunft und einem ruhigen Abend zur Akklimatisierung an den geringeren Sauerstoffgehalt.

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6 Kommentare zu China, Xi’an -> Lhasa (mit dem Zug nach Tibet)

  1. Fred sagt:

    Hallo Mathias,
    echt schöner und spannender Blog den Du da hast. Ich plane eine ähnliche Reise, wobei mein Weg von China aus dann mehr Richtung Süd-Ost-Asien gehen wird.
    Wie hast Du Deine Kosten im voraus berechnet und stimmen die Berechnungen? Ich rechne momentan mit dem worst-case, also mittelklasse Hotel überall und so. Bin aber nie ganz sicher ob es realistisch ist und ob die alltäglichen kleineren Ausgaben dann nicht viel höher sein werden als gedacht. Couchsurfing werde ich noch genauer anschauen. Wäre aber cool von Dir zu hören was Du so pro Tag gebraucht hast in Russland und China.
    Weiterhin eine schöne Reise.
    Viele Grüsse
    Fred

    • Mathias sagt:

      Deine Fragen habe ich in der neu gegründeten „Fragen und Antworten“-Seite beantwortet (siehe obiges Navigationsmenü). Teurere „Hotels“ musste ich nur in ganz seltenen Fällen beanspruchen. In jedem Fall viel Spaß bei der weiteren Planung. Genieße den unvergesslichen Moment, wenn Du Dich mit Sack und Pack aufmachst! 🙂

  2. David sagt:

    Hallo,

    warst du mit einer Organisation in Tibet? (du schreibst ja was von Tourguide). Wenn ja mit welcher und wie waren die Erfahrungen? Plane auch eine China/Tibettour…

    • Mathias sagt:

      Jap, das war mit einer Organisation aus Peking. Du kannst aber gerne meinen alten Tourguide direkt kontaktieren, um Kosten zu sparen: Tashi Dorjee Bestell ihm schöne Grüße von mir. Die Tibet-Erfahrungen findest du auch hier im Blog – einfach oben im Menü auf Artikelübersicht klicken und die entsprechenden Reiseberichte wählen. Viel Spaß!

  3. Lhasa Bahn sagt:

    Hallo Mathias, du hast So viele tooolle Fotos gemacht! Wirklich beeindruckend,

    Ich hab Deine Blog-Adresse in meinen Favoriten hinzugefügt, um Detusch zu lernen.:)

    Kelsang

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