China, Peking 7 (Heimarbeit, Handeln)

21.10.10: Nach all den Erlebnissen brauchte ich eine kleine Auszeit. So musste ich mich langsam um meine weitere Reise kümmern: Zugtickets, Tibet Permit, Unterkünfte, Visa etc. Heute war also „Office Day“. Damit ich auch ja nicht in Versuchung kam etwas anderes als Recherchen zu machen, blieb ich den ganzen Tag in der Wohnung. Mein Couchsurfing-Host war so nett und bereitete ein traditionell chinesisches Essen zu.

Da sie kochte, übernahm ich selbstverständlich das Spülen – großer Fehler! Chinesische Küchenmöbel sind einfach einen ganzen Tacken kleiner als die europäischen… Zwar beendete ich mein Werk – jedoch wurde die restlichen Tage auswärts gegessen. Mein Rücken ist mir da doch wichtiger…

22.10.10: Für mein geplantes Unterfangen Anfang November in Tibet brauchte ich noch zwingend mehr warme Kleidung, um für Temperaturen deutlich unter -10°C gewappnet zu sein. Es musste also eine richtig dicke Daunenjacke her. Da ich die Jacke nur für wenige Tage brauchte, sollte sie natürlich sehr wenig kosten. Auf zum Silk Market. Hier gibt es Sachen aller Art (Kleidung, Elekronik etc.) von namhaften Hersteller. Eines ist dort in jedem Fall garantiert: Die Ware ist mit Sicherheit gefälscht. 😉In den schmalen Gängen mit überfüllten Mini-Shops lauerten schon die Bedienungen und versuchten einem die Ware schmackhaft zu machen. Ich hatte einige interessante Gespräche dort. Beispiel 1 – Handtasche:
Verkäufer (V), Ich (I).
V: You need a handbag!
I: Thank you, I’m not gay.
V: You need it for your girlfriend!
I: Thank you, I have no girlfriend.
V: With this handbag you find a good girlfriend! Trust me! You need this handbag! I can help you to find a new girlfriend!
…Mein Schritt beschleunigte sich nach letzter Aussage etwas…

Nun brauchte ich ja eine Daunenjacke und fand einen Stand mit allerlei dicken Jacken. Ich näherte mich lächelnd der Verkäuferin und gab ihr zu verstehen, dass ich die billigste Daunenjacke haben will. Die Marke ist mir dabei egal. Sichtlich irritiert (normalerweise legen die Leute gerade Wert auf die Marke) versuchte sie mir allerlei Sachen anzudrehen bis ich nach ausgiebiger Recherche tatsächlich eine Jacke mit echten Federn fand.
Beispiel 2 – Daunenjacke (stark gekürzt):
I: How much is this jacket?
V: Good price my friend! Real Downfeathers! Very cheap for you! Original price 4000 Yuan (~400 €) – for you only 2000 Yuan!
I: No, thank you. Bye.
V: Stop my friend! I like you! 1000 Yuan because I like you!
I: No, thank you.
V: Oh you are a good bargainer! (Sie hat mich nocht nicht richtig kennengelernt…) Where are you from?
I: Germany.
V: I like Germany! Special price for you because you are from Germany: 900 Yuan.
I: No. I need this jacket only for a couple of days. I don’t want to spend so much money just for a few days.
V: How much you pay? (Das Englisch war nicht immer perfekt.)
I: 150!
V: No! You are kidding! Too less! Goodbye!
I: Bye.
V: Stop! 800 Yuan! This is really a good price my friend! OK?
I: 150!
(— 20 Minuten später —)
V: You can’t do this! Common! 300 ist a very good price!
I: 200 is al lot of money. I like you really a lot. So I give you 200 for this jacket. (Naja, um ehrlich zu sein sind etwas über 20 € für eine echte Daunenjacke nicht viel aber ich hatte echt Spaß beim Feilschen.)
(— 10 Minuten später —)
V: 200! This is too less! What kind of bargainer are you? 250 is a very good price!
I: 220 for this jacket and this gloves. (Da war noch ein richtig schönes dickes paar Handschuhe mit einem Originalpreis von 499 Yuan.)
V: What are you doing? I cannot do this! This is too less! (Sie war überaus erschüttert, dass ich jetzt noch die Handschuhe mit dabei haben wollte.)
(— 5 Minuten später —)
Sichtlich erschöpft gab sie bei einem Preis von 225 Yuan auf und willigte ein. Gerne gab ich ihr das Geld und weil ich soviel Spaß hatte, legte ich noch 5 Yuan drauf. Auch das hatte sie offensichtlich noch nicht erlebt. Ihr Gesicht war einfach eine Wonne – total fassungslos. 😀 Eine warme Daunenjacke + praktische Handschuhe für 230 Yuan (~24 €) – Peking, du bist eine tolle Stadt! 🙂
Hocherfreut schlenderte ich mit meiner neuen Errungenschaft noch ein wenig durch die Markthallen und ließ mich noch auf das ein oder andere Gespräch ein.

Beispiel 3 – eine weitere Daunenjacke?:
V: You need a down jacket!
I: Thank you, as you can see, I have already one.
V: You need another one! (Das war auch einer der Standardsprüche.)
I: Thank you, I have already another one. (Damit wollte ich freundlich „Nein“ sagen.)
V: You need three! (Sichtlich beeindruckt blieb ich stehen.)
I: Why? Even one down jacket is enough. Why should I carry three of them?
V: You never know! Trust me! You really need three down jackets! I make you a good price! I like you! You are my friend!
I: How much?
V: It is really a good price! 1500 Yuan – just for you!
I: Can you imagine what I paid for this down jacket? (Ich zeigte auf meine Errungenschaft.)
V: No problem my friend! I give you the same price!
I: This jacket and this gloves for 230 Yuan. Same price?
V: No, you are kidding! That is impossible! Not for this price! Goodbye!
I: It’s a pitty. I really thought about a third down jacket… Goodbye.

Wunderbar, jetzt wusste ich, dass ich tatsächlich ein Schnäppchen gemacht habe. 🙂

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3 Kommentare zu China, Peking 7 (Heimarbeit, Handeln)

  1. kmh sagt:

    Handeln:
    Jetzt kenne ich Dich sooo lange – aber diese Seite an Dir blieb mir verborgen. Ich hätte es aber ahnen können…

  2. Moritz sagt:

    Glückwunsch zur 24 €-Daunen-Jacke!
    Ich hätte Dir sonst eine Fleecejacke zum unter den Anorak Ziehen empfohlen. Die isolieren überraschend gut und man kann sie sogar in Deutschland für einen ähnlichen Preis bekommen.

    • Mathias sagt:

      Unter meiner Schnäppchen-Daunen-Jacke hatte ich an einem ganz besonders hohen Punkt während meiner Reise zusätzlich einen Anorak und zwei Fleecejacken sowie Thermo-Unterwäsche. Zwar sah ich aus wie ein Michelin-Männchen, wenigstens habe ich aber nicht gefroren… 😉

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