China, Tibet (Lhasa, erste Eindrücke)

Inmitten von Lhasa, im zugewiesenen Hotel eingecheckt, analysierte ich zunächst meine Bleibe.

Das Hotelzimmer war für eine alleinreisende Person wie mich überaus groß und vor allem sauber.

Sicherheitshalber studierte ich die polizeilichen Hinweise, welche hier und da im Hotel angebracht waren. Keine Prostitution – OK, keine Drogen – OK, kein Glücksspiel – na, wenn das alles ist dürfte es keine Probleme in Tibet geben.

Während in der Heimat und in vielen anderen Ländern sich die meisten Leute auf Halloween-Partys (31.10.) vorbereiteten oder bereits ekstatisch zuckend auf der Tanzfläche feierten, begab ich mich auf einen Stadtbummel durch Tibets Hauptstadt Lhasa. Von weitem sah ich zwar ein Feuerwerk – wahrscheinlich eine Hochzeit – ansonsten schien es ein gewöhnlicher Abend in den Straßen. Die Leute schauten mich neugierig-freundlich an, winkten, grüßten und waren überaus wohlwollend gesinnt. Das Fotografieren war aus bekannten Gründen teilweise etwas schwierig. Trotz dessen schien die Atmosphäre nicht drückend bzw. negativ – sozusagen normal…
Nach ein paar Minuten Umgebungserkundung entschloss ich mich relativ schnell eine vegetarische Diät in Tibet zu versuchen – oder zumindest kein fleischliches Straßenessen zu mir zu nehmen.

Die hygienischen Bedingungen zur Fleischaufbewahrung und -verarbeitung waren für mich definitiv noch gewöhnungsbedürftig…

01.11.10

Die Nacht verbrachte ich überaus unruhig. Alle 1-2 Stunden wachte ich aus dem relativ leichten Schlaf auf, um meinen tierischen Durst zu stillen. Wirklich ungewohnt für mich und mit Sicherheit auf den Höhenunterschied zurückzuführen. Hoffentlich bessert sich das noch die nächsten Tage.

Noch gewöhnt an die Lebensbedingungen in den Großstädten Chinas, bestaunten wir morgens auf unseren Jeep wartend den hoteleigenen „Waschsalon“.

Schließlich fuhren wir über atemberaubende Bergpässe mit unzähligen Gebetsfahnen…

…zum Bergkloster Drag Yerpa, welches sich auf 4885 m Höhe befindet. Zur Besichtigung hieß es natürlich Treppen steigen. Was für eine Erfahrung – für alle Beteiligten! Es waren nicht besonders viele Treppen aber es war unmenschlich anstrengend. Nach maximal drei erklommenen Stufen musste ich eine Verschnaufpause einlegen. Mein gefühlter Puls war deutlich über 180 und ich fühlte mich körperlich unfassbar alt. Stufe, Pause, Stufe, Pause, Blick auf die verbleibenden Stufen, Stufe, längere Pause, Durchatmen, Landschaft anschauen, nächste Stufe anvisieren etc. …

Nie hatte ich Probleme mit Treppen steigen und normalen sportlichen Aktivitäten gehabt. Mit dieser deutlichen Höhenveränderung von mehreren tausend Metern in zwei Tagen hatte mein Körper aber zu kämpfen. Noch hatte ich zu wenig rote Blutkörperchen im Blut, um in dieser Höhe einen optimalen Gasaustausch für die arbeitende Muskulatur zu gewährleisten. Das Stichwort heißt Akklimatisierung – der Körper brauch halt noch Zeit zur Anpassung. Solange heißt es, alles etwas ruhiger angehen. Jedenfalls kann ich jetzt deutlich nachvollziehen, wie sich alte Menschen fühlen. Der Wille mag da sein, der Körper jedoch ist schwach. Nicht gerade angenehm aber eine wirklich wertvolle Erfahrung für mich.

Stufe für Stufe schlichen wir zu den Klosteranlagen. Innerhalb der Gebäude zu fotografieren war tabu. Zu sehen waren eher dunkle Räume mit unzähligen Buddha-Statuen – freistehend, hinter Glas, auf Erhebungen etc. sowie Kerzen und überall kleine Geldscheine der Pilger. Die Luft war gefüllt mit Räucherstäbchenduft und die Atmosphäre begleitet von einigen betenden Mönchen mystisch.

Nach ein paar weiteren Stufen genossen wir die Aussicht ins Tal bevor wir uns langsam wieder zurück zum Jeep begaben und zurück nach Lhasa fuhren.

In Lhasa spazierten wir entlang der antiken Barkhor Straße vorbei an vielen kleinen Ständen. Tibet, Lhasa, tiefster Buddhismus, heilige Stadt, tiefer Glaube – das sind so einige Stichworte die direkt miteinander verwoben sind. Mit dem Urheberrecht nimmt es aber auch in der heiligen Stadt niemand so genau. Oben auf dem Bild ist einer der vielen Stände mit schwarz gebrannten Filmen, Musik etc. zu sehen…

Schließlich begaben wir uns zum Jokhang-Heiligtum

…und bestaunten die Architektur.

Gläubige beteten davor…

…und auch im Tempel in einer speziellen Gebetsfolge (siehe Bild) im immer gleichen Rhythmus. Interessant war zu beobachten mit welcher totalen Hingabe sich die Pilger den stundenlangen Gebeten widmeten.

Blick auf den Platz vor dem Jokhang.

Blick vom Jokhang auf den Potala-Palast.

Arbeitende und dabei singende Tibeter im Jokhang.

Mönchsunterkünfte im Jokhang.

Zurück in meiner Unterkunft und mehr oder weniger geschafft von der morgendlichen Betätigung sowie den vielen Eindrücken nahm ich noch einen kleinen Snack zu mir, bevor ich mich entspannt zur Nachtruhe begab.

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3 Kommentare zu China, Tibet (Lhasa, erste Eindrücke)

  1. Rainer und Gerlind sagt:

    Hallo, Mathias!
    Wir freuen uns schon immer darauf, wenn wir Neues von Deiner Reise lesen können. Es ist so spannend, was Du so alles erlebst. Erlebnisse, die Du in Deinem Leben nie mehr vergessen wirst. Es ist der richtige Zeitpunkt, dass Du Deinen Traum verwirklichst 🙂 Wir wünschen Dir weiterhin viele neue Erlebnisse und Bewahrung bei all´dem, was Du noch so vorhast und erleben wirst. Danke für Deine sehr lebhaft geschriebenen Reiseberichte. Herzliche Grüße aus dem ungemütlichen Velbert.
    Gerlind & Rainer

    • Mathias sagt:

      Eure Vorfreude ist meine Motivation. Wie angekündigt werden meine Reiseberichte in nächster Zeit regelmäßiger folgen. Bis dato kann ich eins vorweg sagen: Es wird definitiv nicht langweilig werden. 😉

  2. Alex Scheibe sagt:

    Mist. Meine Idee mit dem Puff in Tibet wird dann doch nix.

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